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Günther Schuh, Gründer der E-Auto-Firma E-Go Mobile und Professor an der RWTH Aachen, findet die derzeitige Diskussion um die Elektromobilität nicht wissenschaftlich fundiert genug. Das sagte er in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (10. Juli). Beispielsweise sei nicht haltbar, dass die Batterie bald viel billiger sein werde und damit den E-Autos zum Durchbruch verhelfe. „Die ganze Autoindustrie richtet sich darauf aus. Dabei sind wir gerade mal so weit, dass nicht mehr behauptet wird, man könne morgen mit einem Elektroauto zum selben Preis genauso weit und schnell fahren wie mit einem Verbrenner.“ Geht es nach Schuh, wird das nie der Fall sein.

Denn die Leistungsdichte zwischen der Feststoffbatterie und dem Diesel sei rein physikalisch zu unterschiedlich. „Wo ich heute einen 50-Liter-Dieseltank herum karre, müsste ich selbst bei einem besseren Wirkungsgrad immer noch eine mehr als 700 Kilo schwere Batterie in einem Elektroauto haben“, sagte Schuh gegenüber dem Blatt. Und das sei nicht stimmig, weder ökologisch noch ökonomisch.

Der Aachener Elektroautobauer hat die ersten Serienfahrzeuge des E-Go Life auf die Straße gebracht. Bis alle Vorbesteller bedient sind, wird es allerdings noch einige Monate dauern. 

Laut dem E-Auto-Experten koste es einen Massenhersteller in der Fertigung mindestens das Doppelte, ein Auto mit denselben Mitteln wie bisher zu elektrifizieren. Das drücke die Marge immens. Er sagt: Quersubventionieren funktioniert auch nicht, wenn man bis zur Hälfte aller Fahrzeuge elektrisch antreiben möchte. „Dafür reichen die Margen selbst im Premiumsegment nicht aus.“

Es ist dieser Tage nicht der einzige irritierende Einwand gegen die Elektromobilität, die vonseiten der Vorreiter dieser Technik kommt. Auf dem Next-Gen-Forum in München hatte BMW-Vorstand Klaus Fröhlich jüngst die Zukunftsfähigkeit des E-Antriebs in Frage gestellt. Es mangele einfach an der Nachfrage. „Es gibt keine Kundenanfragen für BEVs. Keine “, hatte der Entwicklungsvorstand laut dem Magazin „Forbes“ geäußert. Wenn überhaupt werde sich in Europa der Hybrid durchsetzen.

Fröhlich zeigte sich überzeugt, dass europäische Kunden nicht bereit seien, das Risiko eines Elektrofahrzeugs einzugehen, weil die Infrastruktur nicht vorhanden ist, und über den Wiederverkaufswert noch Unsicherheiten bestünden.

Dem Kunden ist die E-Mobilität zu teuer, glaubt Schuh

Ähnlich schätzt Schuh die Lage ein: Der Hype um die E-Mobilität spiegele nicht das Käuferverhalten wieder. „Es gibt eine riesige Diskrepanz zwischen der öffentlichen Diskussion über Mobilität und der Entscheidungsfindung derjenigen, die Neuwagen kaufen“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ den Manager. Der Kunde wolle keine E-Autos: „Die Masse wird nicht einfach mehr für einen gefühlten Weniger-Nutzen bezahlen.“ Gemeinsam müsste man nun der Kundschaft erklären, dass alle etwas zur Mobilitätswende beitragen müssten, und zwar zuallererst denjenigen, die nicht auf den Preis schauen müssen. Außerdem brauche es einen Staat, „der die Einführungskosten ein bisschen glättet“. Auch bei seinem eigenen ersten marktreifen Produkt, ein E-Kleinwagen für 12.000 Euro, sei er nicht sicher, ob 150 Kilometer Reichweite für die Kunden genug sind. Gerade arbeiteten die Aachener 3.000 Vorbestellungen ab und kümmerten sich um den Produktionsanlauf.

(Vogel)